Kurzsichtigkeit


Kurzsichtigkeit stoppen?

Studien der letzten 10 bis 15 Jahren zeigen sehr deutlich, dass die Kurzsichtigkeit sehr stark zunimmt. Diese tritt inzwischen in sehr viel jüngeren Jahren als früher auf und die Kurzsichtigkeit nimmt bei vielen Personen über die Jahre schneller zu. Dies ist insbesondere im asiatischen Raum zu beobachten, mögliche Effekte werden ebenso bei uns in Europa vermutet.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, denn schnellen Zuwachs der Kurzsichtigkeit zu verlangsamen. Nach jetzigen Schätzungen würde bei uns ein Kind mit 9 Jahren und einer Kurzsichtigkeit von -1.50 dpt. später mit 17 Jahren wahrscheinlich eine Kurzsichtigkeit von  -4.50 dpt. aufweisen. Bei entsprechender Behandlung wäre mit 17 Jahren eine deutlich geringere Kurzsichtigkeit  von wahrscheinlich -3.00 dpt. zu erwarten (Brian Holden Myopia Calculator 2018)

Man kann also die Kurzsichtigkeit nicht aufhalten, aber den Zuwachs (Progression) oftmals reduzieren.

 

Warum ist das so wichtig?

Je höher die Kurzsichtigkeit ist, um so höher ist das Risiko für ungewollte und oftmals schädliche Veränderungen am Auge. Dieses Risiko ist vor allem bei starker Kurzsichtigkeit von mehr als -5.00 dpt. hoch (Tabelle 1).

 

 (Normalsichtig = 1x)

 Katarakt (PSCC)

 Glaukom

 Netzhautablösung

 -1.00 bis -3.00

 2 x

 4 x

 4 x

 -3.00 bis -6.00

 3 x

 4 x

 10 x

 -6.00 oder höher

 5 x

 4 x

 16 x

Tabelle 1: Erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen bei steigendem Grad der Kurzsichtigkeit (1-4)

 

Was kann man dagegen tun?

Bevor die Kurzsichtigkeit überhaupt anfängt ist es wichtig, dass Kinder sehr viel im Freien sind, bei viel Licht und Sonne, und nicht zu viel Naharbeiten (Lesen am iPad u.ä.) durchführen. Sobald eine Kurzsichtigkeit vorhanden ist, scheint dies dann aber auf die Progression der Kurzsichtigkeit weniger Einfluss zu haben. Vor allem wenn die Kurzsichtigkeit zu schnell voranschreitet sollten spezielle Methoden Anwendung finden. Dies spezielle Otho-K Kontaktlinsen, die man nur nachts beim Schlafen trägt, oder spezielle Mehrstärken Kontaktlinsen, oder spezielle Mehrstärkenbrillen. Die Wirksamkeit ist unterschiedlich und es bedarf dazu eine individuelle Beratung mit einem spezialisierten Optometristen in Zusammenarbeit mit einem auf dieses Thema spezialisierten Augenarztes. Ebenso gibt es medikamentöse Ansätze wie Atropin Tropfen 0.01% täglich, bisher aber noch ohne entsprechende Zulassung in Deutschland

Dr Heiko Pult ist spezialisierter Fachmann seit mehr als 10 Jahren für dieses Thema und berät Sie gerne.

 

Beistehende Tabellen sind hilfreich um das eigene Risiko einschätzen zu können:

Risikofaktoren eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln:

 

Faktor

Alter:

5 - 9 Jahre

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Sehstärke:

Abweichung von Norm-Sehstärke des aktuellen Alters (zu geringe Weitsichtigkeit oder schon beginnende Kurzsichtigkeit)

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Eltern:

Mindestens ein Elternteil ist kurzsichtig

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Ethnie:

Asiat

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Verbrachte Zeit im Freien:

Weniger als 1.5h / Tag

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Naharbeit:

Mehr als 2.5h / Tag

 

 Nein = 0

 Ja = 1

 

SUMME = Risiko Faktor

 

 

 Risiko Faktor

 Allgemeines Risiko eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln

 0-2

 Geringes Risiko

 3-4

 Mittleres Risiko

 5-6

 Hohes Risiko

 

Risiko Einschätzung zur schnellen Progression der Kurzsichtigkeit:

 Faktor

Alter:

Kurzsichtig und 9 Jahre alt oder jünger

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Aktuelle Progression der Kurzsichtigkeit:

Mehr als -1.00dpt/Jahr

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Ethnie:

Asiat

 

 Nein = 0

 Ja = 1

Eltern:

Mindestens ein Elternteil ist kurzsichtig

 

 Nein = 0

 Ja = 1

 

SUMME = Risiko Faktor

 

 

 Risiko Faktor

Allgemeines Risiko einer schnellen Progression der Kurzsichtigkeit

 0

 Geringes Risiko

 1-2

 Mittleres Risiko

 3-4

 Hohes Risiko

Brian Holden Vision Institute 2018

 

1. Lim R, Mitchell P, Cumming RG. Refractive Associations with Cataract:
the Blue Mountains Eye Study. Invest Ophthalmol Vis Sci 1999;40:3021-6.
2. Mitchell P, Hourihan F, Sandbach J, Wang JJ. The relationship between
glaucoma and myopia: the Blue Mountains Eye Study. Ophthalmol
1999;106:2010-5.
3. The Eye Disease Case-Control Study Group. Risk Factors for Idiopathic
Rhegmatogenous Retinal Detachment. Am J Epidemiol 1993;137:749-57.
4. Li X. Incidence and epidemiological characteristics of
rhegmatogenous retinal detachment in Beijing, China. Ophthalmol
2003;110:2413-7.